c.t.201
freies Theater Köln e.V.

c.t.201

wie es anfing

1992 finden sich sechs Theaterleute aus der freien Kölner Szene zur Gruppe c.t.201 zusammen. Der Name geht zurück auf die Bezeichnung einer Farbfilterfolie für Scheinwerfer, den sogenannten Tageslicht-Filter: die klare Konturierung und das stimmungsvolle Wechselspiel des Tageslichts waren und sind für unsere Theaterarbeit Programm. 1993 folgt die Gründung des gemeinnützigen Vereins c.t.201 – freies Theater Köln e.V., der – heute mehr denn je – als Produzent der einzelnen Projekte fungiert und damit verschiedenen Regisseuren und zahlreichen Theaterschaffenden die Grundlage für ihre künstlerische Arbeit ermöglicht.
Fast alle bisherigen Produktionen wurden für den Kölner Theaterpreis nominiert. 1995 erhielten Iphigenie auf Tauris und 2002 Die Sinfonien des Johannes Brahms – ein abenteuerliches Stück Musik-Theater die begehrte Auszeichnung.

Produktionen

Heiner Müller: HamletMaschine (1993) │ Novalis: Hymnen an die Nacht (1994) │ Johann Wolfgang von Goethe: PrometheuS (1994) │ Faust – der Tragödie zweiter Teil (1995) │ Iphigenie auf Tauris (1995) │ Heinrich von Kleist: Amphitryon (1996) │ Martin Kuchejda: Titanic – Sternennacht (1997) │ Wolfram von Eschenbach: Parzival oder: Die Suche nach dem heiligen Gral (1997) │ August Strindberg: Ein Traumspiel (1998) │ Else Lasker-Schüler: IchundIch (1999) │ Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise (2000) │ Martin Kuchejda: Mythos – Eine Reise durch die Zeit des Vergessens (2001) │ Die Sinfonien des Johannes Brahms – ein abenteuerliches Stück Musik-Theater (2002) │ Friedrich Schiller: Die Räuber (2003) │ Dietmar Kobboldt: Quant – Eine physikalische Revue über die Heisenbergsche Unschärferelation (2003) │ Wolf (2004) │ Wilhelm Müller/Franz Schubert: Die Winterreise (2005) │ Hugo von Hofmannsthal: Jedermann (2006) │ Heinrich von Kleist: Penthesilea (2007) │ Richard Wagner: Parsifal – Versuch einer Annäherung (2008) │ Qohelet - Die Reden des Predigers (2008) │ Johann Wolfgang von Goethe: Torquato Tasso (2008) │ Gertrude Stein: weiter anfangen. wir fangen an (2009) │ Der andere Weg (2009) │ Habent sua fata libelli - Bücherschicksale (2010)│ Toller/Fallada (2010) │ Das Kränzchen (2010) │ 12 (2011) │ Doktor Faustus (2011) │ Ich sehe alles rosenrot - Karl May (2012) │ Amnesie National (2012) │ Verschwörung in Rom (2012) │ Wir sind wieder Wer! Die langen 50er Jahre (2013) │ to boldly go - c.t.201 im Star Trek Universum (2013) │ Die 70//80er Show (2013) │ The origin and the end of everything (2014) │ Ampelmännchen (2014) │ Angst - oder wie Walter zum Attentäter wurde (2015) │ [aɪ] [slæm] I.slam (2016)

Reihen

Aufbruch vor der Barbarei
Unter diesem Titel beschäftigt sich c.t.201 in den Jahren 2009-2011 in seinen Produktionen mit der Zeit zwischen 1900 und der Nazi-Diktatur: ein halbes Jahrhundert voller politischer Turbulenzen, gesellschaftlicher Umbrüche und künstlerischer Neuerungen.
Die Welt verändert sich damals radikal. Die stetig fortschreitende technische Entwicklung führt zu Erfindungen und Bautätigkeiten nie gekannten Ausmaßes. Die Naturwissenschaften revolutionieren unseren Blick auf die Welt, und die Psychoanalyse eröffnet völlig neue Zugänge zur Seele. Viele sind mit diesen raschen Umwälzungen tradierter Werte und Weltbilder überfordert. Ganz im Gegenteil die Künstler aller Sparten, die all diese Innovationen begeistert aufnehmen und für sich nutzen: der Expressionismus in Malerei und Literatur, das Bauhaus, die Zwölftonmusik – um nur die wenigsten zu nennen. Sie alle schaffen sich Zirkel und Kreise, in denen man gemeinsam gegen das überkommene Alte anrennt, neue Formen findet und sich in der gemeinsamen Arbeit weiterentwickelt.
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnet sich in der Rückschau durch einen enthusiastischen Aufbruchswillen aus, dem wir in unserer Projektreihe nachspüren. In weiter anfangen. wir fangen an beschäftigten wir uns mit Gertrude Stein, ihren Umgang mit Sprache und Text, der den Rahmen der bis dato bekannten Schriftstellerei vollkommen sprengte. In Der andere Weg beleuchteten wir auf der Grundlage einer musikalischen Vorgabe die gesellschaftlichen Umbrüche jener Zeit. In Toller / Fallada widmeten wir uns zwei Schriftstellern, die an den politischen Umständen persönlich und künstlerisch verzweifelten. In 12 nähern wir uns nun Arnold Schönberg, der mit seiner Zwölftontechnik die tonale Musik in Frage stellte und eine ganze Kunstform radikal erneuerte. Die Reihe wird ergänzt durch unsere Lesespiele. Nach Das Kränzchen, in dem wir uns der Frauenliteratur bis 1945 angenommen haben, folgt Ende des Jahres eine Produktion zu Thomas Manns Doktor Faustus, in dem wir ebenfalls das Motiv der Zwölftonmusik aufnehmen werden. Und danach beginnen wir unsere neue Projektreihe – die UMBRÜCHE nach 1945.

Umbrüche
In der Projektreihe Umbrüche setzt sich c.t.201 in den Jahren 2012-2014 mit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts auseinander. Wie konnte sich nach dem Trauma des zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus Wille und Mut zum Aufbruch nach der Barbarei entwickeln? Welche künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Kräfte und Strömungen prägten dieses halbe Jahrhundert? Was waren die historischen Eckpunkte dieser Zeit, die mit der "Stunde Null" und dem "Wunder von Bern" begann und mit dem globalen Trauma des 11. Septembers endete?
Bei unserer theatralen Forschungsarbeit steht der Gedanke der Identität im Vordergrund. wie bildet sich eine neue Identität heraus? Wie verhält sich das Individuum zur Masse und wie erschließt sich die eigene Wahrnehmung des Innen und Außen? Wie haben sich die Bedingungen für die Herausbildung von Identität verändert - von den Nachkriegsjahren, in denen Traditionen und Werte maßgebliche Faktoren waren, bis zur heutigen Zeit, in der einem das Internet die Möglichkeit bietet, sich unzählige Identitäten überzustülpen? Und wieso hatten damals alle einen Nierentisch und heute jeder ein iPhone? Von diesen Fragen wollen wir uns leiten lassen und auf unsere Art Antworten finden.
Flankiert werden die großen Produktionen dieser Reihe wieder von den Lesespielen.