c.t.201 in der Presse

 

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12

Schaurige Spiele

"Oft wünschte man sich, Schönberg hätte gesoffen wie ein Loch", bekennt sich Tim Mrosek in dem Programm zu "Zwölf". Hat er aber nicht. Stattdessen hat Arnold Schönberg zu seinen Lebzeiten die Zwölftonmusik erfunden - und war darüber hinaus Maler, Dichter und Erfinder. Diesen Menschen, dieses "kunsthistorische Gespenst", bürdet das Kölner Theaterwunderkind sich und seinen "c.t.201"-Schauspielern auf. Und man fragt sich zunächst nach dem Warum? Will sich da einer absichtlich verheben an seinem schwierigen Sujet? Grandios scheitern nach dem grandiosen Gelingen mit "Toller/Fallada" in der letzten Spielzeit?
Nein, so verhält es sich nicht: Arnold Schönberg ist für Mrosek nur ein Vorwand. Die schwergewichtige Geistesgröße dient lediglich als Ingredienz für eine hochtourige Nummernrevue, die vorführt, wie fahrlässig postdramatisches Theater mit seinen Sujets umgehen kann: Zwar erzählen die drei in Schwarz und Glitter gekleideten Conferenciers (Rebecca Madita Hundt, Jennifer Ewert, Manuel Moser) anfangs tatsächlich, wie Zwölftonmusik funktioniert - dann jedoch entgleiten die akademisch-schweren Ausführungen zu einer lustvollen Leichenfledderei. Schönberg-Gossip wird zum Besten gegeben: Die Zuschauer erfahren, dass der Komponist eine missglückte Ménage à trois führte und mit Thomas Mann herumstritt - dabei stolzieren Hundt, Moser und Ewert wie hochneurotische Graphic-Novel-Figuren über die "Studiobühne" und schlüpfen in die jeweiligen Figuren.
So tänzelt Mrosek mit seinen Gespielen leichtfüßig über Schönberg hinweg und stellt damit en passant unter Beweis, dass heutige Theaterinszenierungen nichts und niemandem mehr Respekt zollen müssen: dass dies geradezu eine Pflichtübung ist: Das Schwere neben das Leichte zu stellen, die Hauptfigur in Stücke zu reißen - und die verbliebenen Stücke zu einem eigenen Bild wieder zusammenzufügen. Deshalb hat "12" am Ende herzlich wenig mit Schönberg zu tun. Das Mrosek-Stück ist vielmehr eine kluge, kurzweilige Abrechnung mit dem modernen Theater, schaurig und amüsant zugleich.
Nina Giaramita, akt 29, Oktober 2011

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