c.t.201
freies Theater Köln e.V.
I.Slam

© c.t.201

[aɪ] [slæm] I.slam

mit: Sibel Polat, Victoria Wiese, Harun Çiftçi, Sefa Küskü und Gästen
Regie: Manuel Moser
Dramaturgie: Katja Winke
Ausstattung: Maurice Angrés
Musik: Öğünç Kardelen

eine Koproduktion von c.t.201 und studiobühneköln

Wir müssen reden. Dringend. Über uns. Uns Deutsche. Und warum wir auf einmal wieder das Gefühl haben, wir müssten uns bekennen. Zum Islam. Zum Christentum. Zum Deutschsein. Zum Nichtdeutschsein.“
Der Islam und die Muslime in Deutschland sind das Thema der Stunde. Kein Aspekt, der noch nicht medial ausgeleuchtet wurde, keine Talkshow, die dieses Thema noch nicht endlos durchgekaut hat. Nur Muslime selber kommen in dieser Debatte selten zu Wort.
Wie sieht er aus, dieser Theaterabend über den Islam? Sibel, Victoria, Harun und Sefa erzählen von sich und uns. Sie erklären, rezitieren, debattieren und lamentieren. Sie distanzieren und beschweren sich, sie singen, tanzen und geben ihr letztes Hemd, um ihre Anliegen auf die Bühne zu bringen. Auch wenn es viel einfacher wäre, zu erklären, was man nicht will: weder ausgrenzen, noch beleidigen und auch keine simple Religionsaufklärung. Stattdessen laden sie ein zu einem Imbiss, denn wo lässt es sich besser reden, als beim Essen? Gemeinsam mit den Zuschauern wird geschnippelt und gerührt und geredet. So nimmt der Abend seinen Lauf: geradewegs zu auf die Hölle, wenn man denn daran glaubt.

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln
und das Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Uraufführung: 2. November 2016

Nominiert für den Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater 2016

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Angst
Foto: Ingo Solms

Angst - oder wie Walter zum Attentäter wurde

mit: Nadja Duesterberg, Jennifer Ewert, Sefa Küskü, Gerhard Roiß
Inszenierung: Manuel Moser
Dramaturgie: Katja Winke
Ausstattung: Maurice Angrés

eine Koproduktion von c.t.201 und studiobühneköln

Nach “Die 70er//80er Show” und „The origin and the end of everything“ tauscht Manuel Moser die Bühnenbretter gegen den Regiestuhl. In seiner ersten Inszenierung für c.t.201 lässt er im durchschnittlichsten aller Walters den Rebellen erwachen. Denn Walter ist verunsichert. Jeden Tag scheint die Welt ein bisschen mehr aus den Fugen zu geraten, bis Walter schließlich die Schnauze voll hat. Er entscheidet sich zu kämpfen. Gegen das Chaos, gegen den Werteverfall, gegen die Überfremdung, gegen eine Regierung im Pausemodus, gegen den Terror vor seiner Tür und irgendwo weit weg. Und vor allem gegen die Angst, die alles zu bestimmen und jeden zu lähmen scheint. Walter schwingt sich auf, um seine Welt zu retten und merkt dabei nicht, wie er zur angsteinflößenden Bestie wird…

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln
und das Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

KURT-HACKENBERG-PREIS FÜR POLITISCHES THEATER 2015!

“Die tagespolitische Herausforderung, sich künstlerisch mit den oftmals so zorngetränkten Sorgen der Mittelschicht auseinander zu setzen, haben Moser und sein Team angenommen und in eine Form gebracht, die ironischen Kommentar und politisches Feuilleton fein ausbalanciert. Dass die lange geplante Produktion dabei auf so bestürzende Weise auf die Wirklichkeit verweist, ist ein schrecklicher Zufall, dennoch ist ‚Angst’ ein Theaterabend, der sich zur richtigen Zeit einmischt.”
(Auszug aus der Laudatio zum Kurt-Hackenberg-Preis von Jurymitglied Dr. Sandra Nuy)

NOMINIERT FÜR DEN KÖLNER THEATERPREIS 2015!

“Großartige Inszenierung (…) absolut präzise agierender Chor (…) vier starke Hauptdarsteller (…) Auf dem schmalen Grat von Ironie und Schuldzuweisung hält Manuel Moser perfekt die Balance.” (Kölnische Rundschau)

Premiere: 13. November 2015

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Origin
Foto: Ingo Solms

The origin and the end of everything (UA)

mit: Manuel Moser
Dramaturgie und Lichtdesign: Katja Winke
Bühne und Video: Jasper Diekamp
Konzept und Inszenierung: Tim Mrosek

eine Koproduktion von c.t.201 und studiobühneköln

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln
und das Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Der letzte Teil der „Umbrüche“ – Trilogie!
Nach “AMNESIE NATIONAL” (2012) und “Die 70er//80er-Show” (2013) landen c.t.201 auf ihrer dreijährigen Suche nach der kollektiven deutschen Identität in den 90er und 00er Jahren (und das Beste von heute!) und damit am Ursprung und Ende des Ganzen. In seiner letzten Inszenierung für c.t.201 macht Tim Mrosek, zuletzt mit Manuel Moser als Duo "Ironie&Praxis" zu Showmastergnaden gelangt ("Zwei Entertainer mit Kultpotential", Kölner Stadtanzeiger), Schluss mit lustig: Gemeinsam stürzen sie sich kopfüber in die metaphysische Obdachlosigkeit. Mit freundlicher Unterstützung von Mark Lombardi und introducing the Hipstermetzger wühlen sie sich durch den Müll der Zeitgenossenschaft und zeigen, wer wen womit wovon ablenkt.
Der größte Trick des Teufels war, die Welt glauben zu lassen, es gäbe ihn nicht?
Wir wissen, wo der Penner wohnt!

Presse

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Die 70er//80er-Show
Foto: Ingo Solms

Die 70er//80er-Show (UA)

Willkommen auf der deutschen Couch

Künstlerische Leitung: Manuel Moser und Tim Mrosek

eine Koproduktion von c.t.201 und studiobühneköln

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln
und das Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

PREMIERE: 06. November 2013 in der studiobühneköln

Irgendwann im Dezember 1970: Willy Brandt fällt auf die Knie und leitet den Anfang einer Epoche ein. Irgendwann im November 1989: Die Mauer fällt um und läutet das Ende einer Epoche ein: Nach ein paar Jahrzehnten zur Abwechslung mal wieder das Ende einer deutschen Diktatur!
Und das, was sich deutsches Volk nennt, wird vor eine große Herausforderung gestellt:
eine gemeinsame, gesamtdeutsche Identität zu finden. Ob das wohl klappt?
Irgendwann im November 2013: Manuel Moser und Tim Mrosek (a.k.a. Ironie&Praxis) fallen auf die Knie, blicken zurück und reagieren mit bewundernswertem politischen und inszenatorischen Instinkt auf die postdramatische Krise, räumen mit der deutsch-deutschen Geschichte auf, suchen die gemeinsame Identität und verbrennen öffentlich Fördergelder. Egal!
Seien Sie unsere Gäste und erleben Sie ein theatrales Politmagazin mit Überraschungsgästen, präzisem Halbwissen und garantiert ohne Ostalgie und Wessimismus!
Es gibt auch Popcorn...

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Amnesie National
© Foto: Tim Mrosek

Amnesie National (UA)

mit: Dorothea Förtsch
Konzept und Inszenierung: Tim Mrosek
Installation: Jasper Diekamp
Licht: Katja Winke
Film: Caspar Müllers
Dramaturgie: Gabriele Fischer und Martin Wiesenhöfer
Produktionsassistenz: Eva-Maria Lüers

eine Produktion von c.t.201 in Koproduktion mit der studiobühneköln
im Rahmen von "Umbrüche"

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln
und das Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

PREMIERE: 09. November 2012 in der studiobühneköln

Nominiert für den Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater 2012

Deutschland zur sogenannten Stunde Null: Nicht nur das Land liegt in Trümmern, sondern auch die gemeinsame Identität. Jede/r vierte Deutsche wird entweder vermisst oder ist auf der Suche nach Kindern, Eltern, Geliebten. Noch heute sind 1,3 Millionen Vermisstenfälle ungeklärt. Ausgebombt, verschickt, vertrieben - zahllose Einzelschicksale, die im Angesicht des Holocaust zum Schweigen verpflichtet sind.
Bis heute: In einer multi-medialen Installation irrt eine Performerin stöbernd umher. Umzingelt von Identitätszombies der deutschen Nachkriegszeit, die nach ihrer Kindheit suchen und mit klagendem Geplärre ihre Mami fordern, wühlt sich das letzte lebende German RRRiot Girl durch die Trümmer des Hitlerschen Wahns. In einem echten Kraftakt räumt sie Schicht für Schicht den Traumaschutt der globalen Massenvernichtung ab und legt das deutsche Unterbewusstsein frei: Es ist weiblich und es hat die Schnauze voll. Und verstößt den Bastard Deutschland.
Politisch unkorrektes Theater, das sich einem der größten gesellschaftlichen Tabus der deutschen Nachkriegsgeschichte widmet: Der Traumatisierung der Kriegskinder und der Vererbung dieses Traumas an die folgenden Generationen.

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mit: Jennifer Ewert, Rebecca Madita Hundt und Manuel Moser
Regie: Tim Mrosek
Dramaturgie: Gabriele Fischer und Martin Wiesenhöfer
Licht: Katja Winke
Bühne und Technik: Jasper Diekamp
Regie-Assistenz: Eva-Maria Lüers

eine Koproduktion mit der studiobühneköln
im Rahmen von Aufbruch vor der Barbarei

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln
und das Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

PREMIERE: 09. November 2012 in der studiobühneköln

Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2011

Kaum eine künstlerische Theorie des 20. Jahrhunderts hat so massive ästhetische Spuren hinterlassen wie die von Arnold Schönberg 1921 entwickelte von der „Zwölftonmusik“. Schönberg bewegte sich in vielen Spannungsfeldern: musikalisch, politisch, zeitgeschichtlich. Er war Komponist, Erfinder, Liebhaber, begeisterter Sportler und vieles mehr. Jegliches Phänomen, mit dem er sich beschäftigte, hob er über das Profane hinaus und überprüfte es auf seinen metaphysischen Wert.
War die Zwölftonmusik also nur eine von vielen intellektuellen Leistungen Schönbergs und ihr Erfolg für ihn mit Geringschätzung seines Genies verbunden?
Ein Projekt über Schönberg und seine Zeit, über die Zwölftonmusik, die Kunst und ihr Publikum – von den Machern von „Toller/Fallada“!
Mit Musik. Vielleicht.

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Toller/Fallada

(UA)

mit: Kevin Herbertz, Manuel Moser
Licht: Katja Winke
Bühne: Jasper Diekamp
Regie-Assistenz: Eva-Maria Lüers
Regie: Tim Mrosek

im Rahmen von Aufbruch vor der Barbarei

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln
und das Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

PREMIERE:17. September 2010 in der studiobühneköln

Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2010

1939 erhängt sich Ernst Toller. 1947 stirbt Hans Fallada an Herzversagen. Zwei Leben in Deutschland, geprägt vom Kampf mit den Umständen der Zeit. Beispiele für die Fragilität der menschlichen Psyche im Kampf um das Überleben als Künstler und Mensch. Der eine Revolutionär, der andere Opportunist – gescheitert beide.
Zwei Schauspieler suchen nach Parallelen zwischen Toller und Fallada: In ihrem Werk, den zahllosen Romanen, Dramen und besonders in den autobiographischen Schriften. Und sie suchen nach Parallelen zwischen den beiden Schriftstellern und sich selbst. Als Künstler in Deutschland, über ein halbes Jahrhundert später. Im Hinterzimmer der Postmoderne reden sie sich um Kopf und Kragen, als ob es um ihr Leben ginge.
Geht es ja wahrscheinlich auch…

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Der andere Weg

(UA)

Musik: Barbara Gescher
Licht: Katja Winke
Regie: Wiebke Kuttner, Gerrit Booms, Samuel Horn
mit: Evi Amon, Kathryn Bäumert, Jörn Behr, Dorothea Förtsch, Manuel Moser, Lina Schattauer, Erik Sieb
Dramaturgie: Martin Wiesenhöfer
Produktionsleitung: Tim Mrosek

im Rahmen vonAufbruch vor der Barbarei

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln
und das Ministeium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

PREMIERE:08. Dezember 2009 in der studiobühneköln

Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2010

Am Anfang war die Musik, danach kam das Licht und dann die Regie – zumindest bei der neuen Produktion von c.t.201 – freies Theater Köln e.V.
Schon immer haben in der Arbeit von c.t.201 Musik und Licht eine wesentliche Rolle gespielt. Oft fanden die Produktionen sogar den Ausgangspunkt in der Musik, etwa bei der mit dem Theaterpreis 2002 ausgezeichneten Inszenierung »Die Sinfonien des Johannes Brahms« oder zuletzt bei »Parsifal« (Karfreitag 2008 und 2009). Nun kehren wir den Produktionsprozess komplett um und stellen damit auch unser Selbstverständnis in Bezug auf diese Theaterelemente radikal auf die Probe.
Zu dem 20-minütigen Musikstück DIELLESE von Barbara Gescher, einer Auftragsarbeit für diese Produktion, entwickelte Katja Winke ein Lichtkonzept. Die Kombination aus beiden wurde drei Nachwuchs-RegisseurInnen vorgestellt, die dazu nun drei – zwar gleich lange, aber inhaltlich völlig unterschiedliche – Inszenierungen entwickelten. Sie bewegen sich dabei thematisch im Rahmen des auf drei Jahre angelegten Projektes »Aufbruch vor der Barbarei« von c.t.201, das sich mit der Zeit zwischen 1900 und der Nazi-Diktatur beschäftigt.
»Der andere Weg ist« ein experimenteller Theaterabend, der drei ganz unterschiedliche Blicke auf eine faszinierende Epoche wirft, und gleichzeitig die normalen Arbeitsprozesse im Theater umkehrt.

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weiter anfangen. wir fangen an

Ein Theaterabend. Über Identität. Über Ruhm. Über Worte.

mit: Christine Kättner, Aurélie Thépaut, Tobias Novo
Licht: Katja Winke
Musik: Eki Maas
Kostüm: Sarah Knickel
Dramaturgie: Gabriele Fischer und Karoline Bendig
Regieassistenz: Eva-Maria Lüers
Inszenierung & Regie: Heidrun Grote
Inszenierung & Bühne: Katja Butt

PREMIERE: 15. September 2009 in der studiobühneköln

"A rose is a rose is a rose is a rose" - das kennt zwar fast jeder, aber insgesamt gelten Steins Texte als zu kompliziert, zu schwierig, kurz: unverständlich. Sie entfalten sich erst über ihren Klang. Dass das berühmte Rosenzitat eine Hommage an die Liebe, an den Eros ist, nimmt man erst deutlich wahr, wenn man es laut spricht. Unversehens enthüllen sich hinter einer auf den ersten Blick scheinbar sinnlosen Wortfolge Handlung und Botschaft und Emotion und Philosophie und Erotik und Spiel und Humor.
Spätestens da beginnt das Theater, lässt die darstellende Kunst sich begeistert auf Worte, Sätze, Texte ein: Was für ein Reservoir an Möglichkeiten, mit, um und aus Worten ein Spiel zu entwickeln! Wiederholungen, fließendes Auseinanderlaufen, zerhackendes Staccato - der Klang schafft das Bild: Wie in einem Kaleidoskop entstehen immer neue Bilder und erzählen Geschichten über Innen und Außen, über Kunst, über Einsamkeit, über Ruhm, über Zärtlichkeit und immer wieder über Identität.

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Parsifal

mit: Manuel Moser
Musik: Richard Wagner
Dramaturgie: Gabriele Fischer
Licht: Katja Winke
Technik: Christian Klingebiel
Animation: Manuel Schmitt
Künstlerische Mitarbeit: Tim Mrosek
Inszenierung: Dietmar Kobboldt

PREMIERE: 21. März 2008 in der Studiobühne Köln

Es ist Karfreitag des Jahres 2008. Ein junger Mann hat es sich bequem gemacht in seinem Wohnzimmer. Er wartet auf jemanden. Er hat sich vorbereitet, um ein ganz besonderes Wagnis einzugehen – er will Radio hören. Auf dem Programm des Kölner Radiosenders Kölncampus steht Richard Wagners Parsifal und die nächsten Stunden wird er diese Oper hören, ganz. Er wird die Musik genießen, sie mitsingen, mitdirigieren. Aber dies Musik wird auch Bilder in ihm heraufspülen, Bilder seiner Seele, von denen er selbst nicht wusste, dass sie in ihm schlummern. Die Musik wird auf ihn einwirken – mit aller Wucht, aber auch mit aller Zärtlichkeit, die diesem Werk zu eigen ist. Sie wird ihn verändern. Am Ende ist er nicht mehr der, der er am Anfang war.
Er wähnt sich allein – so allein wie viele andere Radiohörer mit ihm. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer im Theater ist er es aber nicht, diese können ebenso in sein Wohnzimmer wie in seine Seele hineinblicken, während sie zeitgleich die laufende Radioübertragung hören. Und für die Hörerinnen und Hörer von Kölncampus ... Diese wissen, dass sie gespiegelt im Theater zu sehen sind. Und vor und nach dem Stück, in den Pausen wird Kölncampus vor Ort das Publikum befragen – akustische Ergebnisse, die natürlich zeitgleich im Theater zu hören sind. Die Grenzen zwischen Hören und Sehen verschwimmen bis zur Unkenntlichkeit, Zeit bekommt eine andere Dimension. »Zum Raum wird hier die Zeit...«

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Torquato Tasso

mit: Lea Kaiser, Wiebke Kuttner, Manuel Moser, Sunga Weineck
Licht: Katja Winke
Musik: Ensemble
Dramaturgie: Gabriele Fischer
Regieassistenz: Eva-Maria Lüers
Inszenierung & Bühne: Dietmar Kobboldt & Tim Mrosek

PREMIERE: 10. September 2008 in der Studiobühne Köln

Ein Blick in die Abgründe der allzu erträglichen Leichtigkeit des Seins Torquato Tasso von Johann Wolfgang von Goethe - wie blutleer, wie hölzern erscheint dieser Klassiker doch neben seinen Geschwistern Faust, Iphigenie oder Goetz.
3453 Verse lang stehen Menschen auf der Bühne, und nur ein einziges Mal (und das auch erst kurz vor Schluss) passiert etwas, beschreibt Goethe eine wirkliche, eine (zwischen)menschliche Handlung. Bis dahin und auch danach: Worte. Schöne Worte. In Koproduktion mit der Studiobühne Köln durchbricht der zweimalige Theaterpreisträger c.t.201 diese starre Hülle - und entdeckt einen Vulkan, unmittelbar vor dem Ausbruch. Die schöne heile Welt von Belriguardo birgt Tiefen, Sehnsüchte und Wahnwitziges. Und mit jeder neuen Szene reißt der sichere Boden mehr und mehr auf, öffnet sich ein Abgrund, blicken wir in die Seelen und die verworrenen Pfade menschlicher Existenzen hinein:
Der zweifelnde Dichter, der sich an allem reibt, das sich ihm wohlwollend nähert und ihn wohlwollend nährt. Eine Prinzessin, die um jeden Preis die sie umgebende Harmonie aufrecht erhalten will. Ihre vermeintlich beste Freundin, die tatsächlich eine umtriebige Intrigantin zu sein scheint. Und der weit gereiste Machtmensch, dem alles daran gelegen ist, den penetrant irrlichternden Dichter in die Schranken zu weisen. Zwischen diesen Vieren entspinnt sich ein Spiel um nichts Geringeres als die Wahrheit. - Doch jeder von ihnen hat so seine eigene Version der Wirklichkeit und der Dinge, die in ihr sind.
Und dann bricht der Vulkan tatsächlich aus und zeigt uns Goethes "Tasso" als Drama über Versagen und Verdrängung, über Sein oder Nichtsein, als Gratwanderung auf der schmalen Grenze zwischen Genie und Wahnsinn, als abwärts führende Spirale hin zum Licht der Erkenntnis - als Stück über ein Gewaltverbrechen.
Aber wer ist eigentlich der Täter? Und wer das Opfer?
Bildhaft und musikalisch seziert c.t.201 diesen "Tasso", mit unbändiger Lust an der Sprache. Ein Experiment.

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